Infos über Kaninchen:

Vor dem Kauf:

Bitte beantworten sie sich diese Fragen ehrlich für sich selbst, bevor die neuen Haustiere einziehen:

1. Kaninchen sind Gruppentiere und sollten niemals einzeln gehalten werden - sind sie bereit mindestens zwei Tiere aufzunehmen?

2. Kaninchen benötigen viel Platz zum Toben und Haken schlagen, sie sind neugierig und möchten jeden Tag etwas erleben. Ein Stall sollte mindestens 2qm pro Tier haben, wenn die Zwerge dauerhaft darin leben. Steht tagsüber ein Außengehege zur Verfügung, darf der Stall etwas kleiner sein, der Auslauf sollte aber umso mehr zu bieten haben - haben Sie genug Platz?

3. Kaninchen werden ca. 8 Jahre alt, haben Sie bedacht, dass sie all die Zeit versorgt werden müssen?

4. Wer versorgt die Zwerge, wenn Sie im Urlaub sind oder einmal krank werden?

5. Kaninchen kosten Geld - der Kaufpreis ist noch das geringste! Futter, Stall, und vor allem Tierarztkosten können plötzlich stark ansteigen. Sind sie bereit diese Kosten zu tragen?

6. Kaninchen sind keine Kuscheltiere! Kaninchen sind eher Tiere zum Beobachten. Auch Kinder können daran Freude haben und viel über das Zusammenleben mit Tieren lernen, in erster Linie sollte man sich aber darüber im Klaren sein, dass Kaninchen nicht gern herumgetragen werden. Sind sie sicher, dass das Kaninchen das richtige Haustier für Sie ist?

7. Bestehen wirklich keine Allergien gegen Tierhaare, Staub oder Heu in der Familie?

8. Kaninchen sind Beutetiere! Hunde, Katzen, Marder, Waschbären, Krähen oder Greifvögel können den Zwergen gefährlich werden. Käfige und Gehege aus dem Zoofachhandel sind NICHT sicher! Haben sie die Zwerge wirklich sicher untergebracht?


Wenn Sie alle diese Fragen rundheraus mit JA beantworten können, sind sie der perfekte neue Kaninchenbesitzer! Bei Fragen geben wir gern Auskunft und beraten Sie auch beim Bau von Ställen oder Gehegen!

Der Kauf:

Wo bekommen Sie nun ihre neuen Kaninchen her? Es gibt verschiedene Möglichkeiten:

Zoofachhandel: In vielen Zoogeschäften werden noch immer lebende Tiere angeboten, andere Ketten haben zwar keine Tiere im Laden, "besorgen" auf Bestellung aber Tiere. Wo kommen diese Kaninchen her? Die allermeisten stammen aus Massenvermehrung, dabei handelt es sich nicht um gezielte Zucht, sondern um die reine Vermehrung von möglichst bunten, niedlichen Kaninchen. Ohne Rücksicht auf die Gesundheit des Muttertieres, Erbkrankheiten oder die Sozialisierung der Jungtiere. Die meisten Babys werden zu früh von der Mutter getrennt, da eine Häsin alle vier Wochen werfen kann und sich dann um den neuen Wurf kümmern muss. Zudem sind die kleinen in einem Alter von 4-6 Wochen am niedlichsten und verkaufen sich gut. Die Kaninchen im Zoofachgeschäft sind keine "echten" Zwergkaninchen, i.d.R. werden sie ca. 3 kg schwer und sind viel größer als angegeben. Durch diese Praxis sind die Babys zu jung, schlecht sozialisiert, krank (da das Immunsystem noch nicht vollständig ausgeprägt ist) und haben oft Zahnfehlstellungen, die über Jahre hinweg hohe Tierarztkosten verursachen. 

Die Zucht und Aufzucht von Tieren gehört unserer Meinung nach in kundige Hände, lebende Tiere sollten nicht im Regal verkauft werden wie ein paar Socken!

Von Privat: Viele Kaninchen suchen ein neues Zuhause, weil sie unüberlegt angeschafft wurden, plötzlich Allergien aufgetreten sind oder wegen "veränderter Lebensumstände"… Auch kommt es oft vor, dass Tiere aus dem Zoofachgeschäft bereits beim Kauf trächtig waren (keine geschlechtergetrennte Haltung!) und wenn man die Tiere dann nicht zurückgeben möchte, suchen die Leute selbst ein neues Zuhause. Jedes Tier hat es verdient! Aber fragen sie genau nach! Wie alt sind die Tiere, woher stammen sie? Sind sie geimpft, entwurmt? Haben sie "Macken", trauen sie sich auch die Aufnahme von schwierigen Tieren zu?

Tierheim/Tierschutzorganisation: Tierschutz ist großartig und jedes Tier hat eine zweite Chance verdient! Aber Zwerge aus dem Tierheim stammen ursprünglich oft aus dem Zooladen und wurden abgegeben, weil sie Probleme machten - welcher Art auch immer! Informieren Sie sich genau und fragen sie im Tierheim, ob sie bei Fragen und Problemen auch nach der Übernahme beraten werden! Es gibt auch zahlreiche weitere Tierschutzvereine, die Kaninchen vermitteln - schauen Sie genau hin. Eine gute Orga berät Sie ausführlich und hilft bei der Vergesellschaftung.

Vom Züchter: Ein GUTER Züchter - und wir sprechen hier nun von den guten! - hat i.d.R. ein Zuchtziel, er wird nicht jede beliebte Rasse "vorrätig" haben, dafür kann ein Züchter genaue Informationen über jedes einzelne Tier, die Eltern, Aufzucht und Entwicklung geben. Sie sehen die Tiere vor Ort und können an den erwachsenen Tieren die spätere Größe Ihrer Babys abschätzen. Ein Züchter gibt ehrliche Auskunft über Haltung, Fütterung etc. denn er will nicht möglichst viel Zubehör mitverkaufen. Sie bekommen ausführliche schriftliche Infos mit und werden auch nach dem Kauf beraten.

 

 

Nach dem Kauf:

Sie haben sich für zwei oder mehr Zwerge entschieden, der Stall steht, ein Außengehege ist vorhanden? Nun stellt sich die Frage: "Was brauche ich wirklich?" Im Zoofachhandel gibt es wirklich alles, vom Knabberholz über den Mineral-Leckstein bis hin zum Desinfektionsmittel fürs Trinkwasser… Zuersteinmal: Die oben genannten Dinge sind mit Sicherheit überflüssig ;-) Aber auf einige Sachen können Kaninchen nicht verzichten:

Ein Häuschen in dem man sich verstecken kann! Es sollte aus Holz sein, denn die Zwerge werden es mit Sicherheit annagen. Ein Flachdach ist Pflicht, da die Häuschen oft noch viel mehr als Aussichtsplattform denn als Versteck genutzt werden. Zwei Eingänge sind sinnvoll, damit bei Streitereien ein unterlegenes Tier fliehen kann.

Wasser- und Futternapf - bitte aus Keramik oder Ton, schön schwer sollten sie sein, damit die Zwerge sie nicht durch den Stall schieben können. Spülmaschinenfest kann ebenfalls sinnvoll sein, so werden die Näpfe mal richtig sauber!

-> Was ist mit Trinkflaschen? Nippeltränken werden noch immer als hygienische Tränkemethode angepriesen. Es stimmt,   Einstreu oder Futter kann so nicht ins Tränkewasser gelangen, aber die meisten Tränkeflaschen können nicht wirklich gereinigt werden. IN den Flaschen sammeln sich so Algen, die ein viel größeres Hygieneproblem darstellen als ein bisschen Einstreu im Wasser. Zudem müssen die Tränkeflaschen regelmäßig überprüft werden - eine Luftblase im Röhrchen reicht aus und die Tränken funktionieren nicht mehr. Das Tier sitzt vor der vollen Flasche und kann nichts trinken… Was ist nun mit den Blautropfen? Dabei handelt es sich um ein Desinfektionsmittel für Trinkwasser, das oft für Jungtiere empfohlen wird - wenn aber Leitungswasser, frisch in einem sauberen Trinknapf angeboten wird und regelmäßig gewechselt wird ist eine Desinfektion überflüssig. Kaninchen mit einem stabilen Immunsystem kommen sowieso gut mit dem einen oder anderen Keim aus ;-)

Heuraufe - bitte immer abgedeckt (z.B. mit einem Holzbrett) oder nur so im Stall befestigt, dass sie jederzeit abgehen, sollte ein Kaninchenbein in der Raufe hängen bleiben. Raufen bieten aber eine gute Möglichkeit das Heu sauber zu halten und die Kaninchen sind länger mit der Futteraufnahme beschäftigt.

 

Das war es schon? Ja! Für den Stall reicht diese Einrichtung völlig aus, aber die Kaninchen freuen sich über jede Form von Höhlen, Gängen, Möglichkeiten zum Buddeln usw. Je nach Aufbau des Stalls und des Außengeheges können natürliche Materialien (Wurzeln, Äste usw.) genutzt werden, aber auch ein Pappkarton mit Löchern oder ein leerer Blumentopf sorgen für viel Spaß und Abwechslung!


Futter:

Die Fütterung ist ein großes Thema in der Kaninchenhaltung, hier scheiden sich noch immer die Geister. Aber einige Fakten sind gut zu wissen:

Kaninchen haben ein Stopfmagensystem, das heißt der Magen-Darm-Trakt funktioniert und arbeiten nur, wenn beständig Futter nachgeschoben wird. Muss das Kaninchen lange Zeit hungern beginnt der Futterbrei im Darm zu gären und das Milieu im Darm kann "kippen", also der pH-Wert sinkt. 

Die Magen-Darm-Flora des Kaninchens ist sehr empfindlich, wird sie nachhaltig gestört, reguliert sie sich nicht von alleine wieder. Daher muss bei einem aufgeblähten Bauch schnell reagiert werden. Die richtige Ernährung über viel Rohfaser und ständiger Zugang zu Futter (Heu/Gras) verhindern diese Probleme. In der Natur fressen Kaninchen über den ganzen Tag verteilt kleine Portionen, die Nahrung besteht aus Gras, Kräutern, teilweise Wurzeln und auch mal ein paar Beeren o.ä. Wie ernähre ich meine Kaninchen nun möglichst artgerecht? 

Heu: Die Grundlage jeder Kaninchenernährung, denn Gras und Kräuter sind nicht das ganze Jahr über frei zugänglich! Das Heu sollte grün, duftend und trocken sein. Schimmeliges Heu darf auf keine Fall verfüttert werden! Auch zu frisches Heu (direkt nach dem Mähen) sollte lieber noch einige Wochen gelagert werden. Je mehr unterschiedliche Kräuter und Grasarten im Heu enthalten sind, desto besser ist die Heuqualität!

Trockenfutter: Es gibt im Handel hunderte Arten von Trockenfutter, von Pellets über Strukturmüsli bis zum bunten Körnermix… Hier gilt: Fragen sie sich, was würde das Tier in der Natur fressen? Kaninchen fressen Gras, Kräuter, knabbern mal an Rinde oder Wurzeln und naschen auch mal eine Walderdbeere - aber sie ernten sicher kein Getreide oder "fällen" eine Maispflanze um an die Kolben heranzukommen. Natürlich schmeckt ihnen auch Getreide! Aber ihnen fehlen die Enzyme zur Verdauung dieser Kohlenhydrate und so macht Getreide nur dick, belastet die Organe und kann Verdauungsprobleme fördern!

Wenn also ein Trockenfutter (zur Ergänzung mit Vitaminen und Mineralien sinnvoll) gefüttert werden soll, achten Sie auf die Bezeichnung "Alleinfuttermittel" und darauf, dass es sich um ein gereidefreies Futter handelt. Je größer die Struktur, desto mehr hat das Kaninchen zu tun beim Fressen!

Leckerlies: Hier gilt: "Kann man machen - muss man aber nicht!" Kleine Leckerbissen für zwischendurch fördern das Vertrauen und können auch zur Beschäftigung genutzt werden. Am liebsten mögen Kaninchen hier süßes Obst, z.B. Erdbeeren, Weintrauben (OHNE KERNE!), Birne oder ein Stückchen Banane. Obst enthält viel Zucker und sollte daher nur in Maßen verfüttert werden. Es darf auch mal ein Stückchen Knäckebrot, Johannesbrot oder Trockenobst sein. Im Fachhandel sind getrocknete Karotten- oder Apfelchips erhältlich. 

Bitte keine Drops (enthalten Milch und Zucker), Knabberstangen (enthalten viele unverdauliche Sämereien und Zucker) oder Süßigkeiten (Kekse o.ä.) verfüttern!

Frisches: Eigentlich finden wir hier das erste Standbein der Kaninchenernährung - aber im Stall bei uns zu Hause ist es den Kaninchen kaum möglich Kräuter, Gemüse und ähnliches selbst zu suchen wie in der Natur. Wir können nur versuchen, diese Ernährung so gut es geht nachzuahmen. Zugang zu einer saftigen Wiese ist Pflicht - geht das nicht, können frische Kräuter und Wiesengras auf ungespritzten Wiesen oder an Wegesrändern gesammelt werden. So viel mitnehmen wie geht, zur Auswahl vorlegen und was den Kaninchen nicht schmeckt sortieren sie selbst aus. Vorraussetzung dafür ist natürlich, dass die Zwerge von Klein auf frisches Futter kennen (so wie unsere Zwerge)!

Und der Mineralleckstein? Das Knabberholz? Die dürfen Sie getrost weglassen! Ihre Zwerge freuen sich mehr über artgerechtes Futter, frische Äste zum Knabbern und ganz viel Aufmerksamkeit von Ihnen!